Die berühmte Gefängnis-Insel Alcatraz war Thema in zahlreichen Filmen. Die Insel hatte den Ruf, dass sicherste Gefängnis der Welt zu sein. Bis zum Sommer 1962 versuchten 36 Häftlinge ihr Glück und versuchten auszubrechen. Kein Einziger schaffte es und starb bei dem Versuch. Im Juni 1962 allerdings sollte sich das ändern. Drei Häftlinge versuchten auszubrechen und tatsächlich, es gelang ihnen. Sie überlebten nicht nur das eisig kalte Wasser, sondern wurden außerdem nie wieder gefunden. Es fehlt tatsächlich jede Spur von ihnen. Zunächst dachte die Polizei, dass die Männer ertrunken seien. Bis zum Januar 2008, bis ein Brief alles wieder aufwühlen sollte.
Die Geflüchteten
Das sind die drei Männer, denen die Flucht, 1962, aus den Mauern von Alcatraz gelang. Das gilt bis zu diesem Moment als ein Ding der Unmöglichkeit. Alcatraz wurde auch “The Rock” genannt und ist umgeben vom kalten Wasser der Bucht von San Francisco. Die drei Geflüchteten wurden nie wieder gesehen und so ging die Polizei davon aus, dass sie vermutlich ertrunken seien. Doch es gab keine Leichen. Ihre spektakuläre Flucht blieb ein Mysterium.

Die Geflüchteten
Flucht von “The Rock”
In Alcatraz waren die schlimmsten Verbrecher der damaligen Zeit untergebracht. Es war ein Hochsicherheitsgefängnis und galt als das sicherste Gefängnis der Welt. Dennoch schafften es drei Männer und flohen vor ihrer Strafe. Bis heute ist die Flucht ein ungelöstes Rätsel. Als das FBI im Januar 2018 einen Brief bekam, öffneten sie die Fallakte erneut und hatten die Hoffnung, dass sie das ewige Mysterium lösen könnten. Was stand in dem Brief?

Flucht von der Felseninsel
Mastermind
Einer der Geflüchteten, Frank Lee Morris, war ein Schwerverbrecher, doch galt als Genie. Er wurde zum Waisen als er elf Jahre alt war. Von Heim zu Heim, lernte er sich zu behaupten und selbst durchzuschlagen. Gleichzeitig schaffte er es aber auch immer wieder, in Schwierigkeiten zu kommen. Mit 13 Jahren wurde er das erste Mal eines Verbrechens überführt. Vom taffen Kind zum Genie, welches aus Alcatraz entkam. Eine unglaubliche Entwicklung.

Mastermind
Seine erste Flucht
Als Kind war Frank Lee Morris stets in kriminelle Machenschaften verwickelt. Er war bereits vor Alcatraz, in zahlreichen anderen Gefängnissen Amerikas. Im Hochsicherheitsgefängnis von Louisiana, auch “Alcatraz des Südens” genannt, war er bereits Häftling. Er saß zehn Jahre für einen Banküberfall. Es gelang ihm die Flucht. Ein Jahr lang war er nicht aufzufinden, bis zu dem Moment als er bei einem Überfall geschnappt wurde. Dieses Mal wurde er nach Alcatraz geschickt.

Seine erste Flucht
Die Anglin-Brüder
Frank Lee Morris war allerdings nicht allein, sondern hatte Verstärkung in den Anglin-Brüdern gefunden. Schon nach kurzer Zeit auf der Insel, freundete er sich mit den Brüdern aus Florida an. Sie waren keine Waisen, sondern ihre Eltern waren Saison-Arbeiter und zogen mit ihren Kindern oft um, stets auf der Suche nach Arbeit. Im Juni war die Familie jedes Jahr im Nordern der USA. Dort halfen sie bei der Kirschenernte mit.

Die Anglin-Brüder
Durch dick und dünn
John und Clarence Anglin waren schon als Kinder unzertrennlich. Die häufigen Umzüge der Eltern waren nicht einfach und so hatten sie stets einander. Manchmal, im Sommer, kam die Familie durch einige Jobs, sogar bis nach Michigan. Dort lernten John und Clarence schwimmen. Damals hatten sie sicher nicht daran gedacht, dass dies einmal ihr Vorteil sein würde. Schon in ihre Zwanzigern waren sie als Bankräuber bekannt, bis sie 1956 gefasst wurden und in Alcatraz landeten.

Durch dick und dünn
Vierer-Bande
Zunächst waren die Brüder in der Vollzugsanstalt von Atlanta untergebracht. Sie unternahmen einige Fluchtversuche und landeten schließlich in auf Alcatraz. Dort angekommen schlossen sie schon schnell Freundschaft mit Frank Lee Morris und einem weiteren Insassen, Allen West. Alle vier Häftlinge hatten diverse Fluchtversuche hinter sich. Es war kein Wunder, dass sich die Männer so gut verstanden. Sie tauschten Erfahrungen aus und heckten gemeinsam einen Fluchtplan aus. Für sie war klar, sie wollten zurück in die Freiheit, koste es was es wolle.

Vierer-Bande
Der Plan ist gefasst
Der Plan war an sich relativ simpel, doch auch für die erfahrenen Ausbrecher schien er unmöglich. Die Männer hatten nichts zu verlieren, deswegen wollten sie alles versuchen um herauszukommen. Um überhaupt erfolgreich ausbrechen zu können, mussten sie zusammen arbeiten, abgestimmt und einig. Zuvor gab es schon Fluchtversuche aus Alcatraz, doch alle scheiterten und alle Insassen kannten die Geschichten. Alle dreißig Häftlinge die versuchten zu entkommen, starben dabei. “The Rock” galt als unüberwindbar.

Der Plan ist gefasst
Der Anfang
Nach ihrem Ausbruch gab es zahlreiche Untersuchungen. Diese ergaben, dass sich die Männer schon bereits vorher kannten, vermutlich aus dem Gefängnis in Atlanta. Mit Sicherheit hatten die Männer schon in der Vergangenheit miteinander zu tun. Man kann von Glück sprechen, dass alle von ihnen in Alcatraz landeten. Ihre Zellen waren nebeneinander und so tauschten sie immer wieder geheime Botschaften aus. Auf diese Weise planten sie ihren Ausbruch so präzise wie nur möglich.

Der Anfang
Im Vorteil
Alcatraz war damals nicht nur ein Gefängnis, sondern auch eine kleinere Fabrik. Um die Häftlinge sinnvoll zu beschäftigen, wurden auf der Insel Möbel, Schuhe und Uniformen für die US-Army hergestellt. Dies war für die Männer ein Vorteil. Keiner von ihnen saß wegen Mord im Gefängnis, dementsprechend lockerer wurden sie auch von den Wärtern behandelt. Durch dieses Vertrauen, gelang es ihnen, unentdeckt Werkzeuge aus der Fabrik zu entwende und so ihren Plan später auszuführen.

Im Vorteil
Fluchtwerkzeug
Die Gruppe plante jeden ihrer Schritte genau. Dies erforderte Geduld, aber sie wollten lieber einen wasserdichten Plan haben, als Einen mit Fehlern. Der Plan war simpel aber brilliant. Sie nutzten Puppen als Atrappen und ließen diese auf ihren Pritschen zurück. Dies gab ihnen mehr Zeit und es wirkte, als ob sie schliefen. Es war nicht nur der Ausbruch aus dem Gefängnis, welcher Planung erforderte, sondern auch die Flucht von der Insel. Damals hatten die Wärter die Anweisung, jeden Flüchtling zu erschießen.

Fluchtwerkzeug
Aufgabenverteilung
Später stellte sich heraus, dass die Aufgaben klar verteilt waren. Dennoch waren sie in einer Sache auf sich alleine gestellt: Den Ausbruch aus der eigenen Zelle. Die Anglin-Brüder stellten die Puppenköpfe für die Gruppe her. Diese Köpfe sollten später dazu dienen, die Wärter zu täuschen. Um die Köpfe herzustellen, nutzten sie was sie finden konnten: Klopapier, Seife und Menschenhaar vom Gefängnis-Friseur. Morris war dafür zuständig, ein Ziehharmonika-ähnlihches Werkzeug herzustellen. Dieses sollte dabei helfen, das Schlauchboot und die Schwimmwesten schnell aufzupumpen.

Aufgabenverteilung
Harte Arbeit
Die Gruppe grub sich,mit Hilfe diverser Werkzeuge, aus ihren Zellen. Sie klauten Löffel aus der Kantine und Reste aus der Holzwerkstatt. Jeden Tag zwischen 17:30 Uhr und 21:00 Uhr arbeiteten sie an dem Fluchtweg. Mit Löffeln gruben sie Tunnel unter die Zellenmauer. Sie passten gerade so durch und es war wahrlich nicht einfach. Sie entfernten die Belüftungsgitter an den Wänden, dies gab ihnen mehr Raum sich schnell bewegen zu können.

Harte Arbeit
Bröckelndes Fundament
Der Zustand des Gefängnisses damals, war nicht der Beste. Das Fundament war alt und auch die salzige Meerluft, sowie die Sonne und Wind setzten den Gemäuern und Leitungen zu. Das Salzwasser zerfraß nach und nach den Zement der Mauern. Gelegentlich hatten die Häftlinge auch heißes Wasser zum Duschen, doch das war nicht immer so. Für gewöhnlich wurden viele Häftlinge im kalten Klima der Insel krank. Der ständige Wind und die feuchten Gemäuer waren alles andere als gesundheitsfördernd.

Bröckelndes Fundament
Ablenkungsmanöver
Es ist kaum zu glauben, doch die Männer schafften all das ohne Aufsehen zu erregen. Zu der damaligen Zeit, trat eine neue Gefängnisreform in Kraft, diese erlaubte es den Insassen, täglich eine Stunde Musik zu spielen. Morris spielte Akkordeon, bewusst laut und schräg um das Kratzen und das Hämmern am Fluchtweg zu übertönen. Nachdem sie schließlich das erste Loch in die hintere Wand der Zelle gegruben hatten, stellten die Männer fest, dass sich dahinter ein Versorgungsgang befand. Dies spielte in ihre Pläne.

Ablenkungsmanöver
Rückschlag
Der Korridor war unbewacht und hatte nur ein Geländer. Die Häftlinge mussten es nur noch schaffen, Löcher in die Mauern zu graben und so eine direkte Verbindung zum Dach des Gefängnisses zu bekommen. Dafür mussten sie allerdings erst durch die engen Versorgungsschächte. Eines Nachts entdeckten sie, dass die meisten Schächte mit Zement versiegelt worden waren. Dieser Niederschlag ließ sie aber nicht aufgeben. Sie fanden einen anderen Schacht und durchbrachen die Wand dort, mit einer Art selbstgemachten Schraubenschlüssel.

Rückschlag
Durchbruch
Im Mai 1962 war es schließlich soweit. Morris und die Anglin-Brüder hatten Löcher in ihre Zellen gegraben, weit genug, um in die Freiheit zu kriechen. Der nächste Schritt war eine Art Schlauchboot und Schwimmwesten. Sie bastelten Diese aus Regenmänteln, Nadel, Faden und Klebstoff. Sie brauchten dafür fünfzig Regenmäntel. Es ist ein Rätsel, wie sie es schafften, so viele aus der Kleiderkammer zu schmuggeln. Die Männer wussten, dass ohne Boot dieser Plan nicht funktionieren würde. Sie würden es nie schwimmend schaffen. Das Wasser war zu kalt.

Durchbruch
Fluchtweg
Alles war soweit, nur Allen West war noch nicht mit seinem Ausbruchsloch durch. Am 11 Juni 1962 ließ er es die Anderen wissen, dass auch er soweit sei. Nun konnte es losgehen. Alles war perfekt geplant und mehrmals durchgespielt. Das Gefährlichste, war der Weg durch den Schacht, der Abstieg vom Dach und natürlich die Flucht ans Ufer und über das Meer. Das einzig einfache erschien in diesem Moment, nur der Ausbruch aus der Zelle selbst.

Fluchtweg
Signal
Sie waren nervös und warteten am Abend darauf, dass die Lichter ausgeschaltet wurden. Es war alles ungewiss. Würden sie es schaffen oder würden sie erschossen werden auf ihrem Weg in die Freiheit? Sie kannten das Risiko, aber die Freiheit war es ihnen wert. Die Männer lagen auf ihren Pritschen und warteten, bis sie endlich loslegen konnten. Sobald die Wärter das Licht ausmachen würden, würden sie die Puppen unter die Decken drapieren und so leise wir nur möglich durch das Loch in ihren Zellen verschwinden.

Signal
Misskalkuliert
Die Anglin-Brüder und auch Morris brauchten nur wenige Sekunden um durch die Löcher zu verschwinden. Sie warteten im Versorgungsganz auf Allen West und hörten ihn flüstern, dass er sich misskalkuliert hatte. Morris versuchte ihm zu helfen und ihn durchzuziehen, doch es half nichts. Allen war klar, dass es zu spät sei und so beschlossen sie, Allen West zurückzulassen. Es war sicherlich nicht leicht, schon gar nicht für West. Sie investierten viel Zeit in ihren Plan und West hatte seine Chance verspielt.

Misskalkuliert
Ohne Ausweg
Es war keine einfache Entscheidung Allen West zurückzulassen. Die Männer waren zu Freunden geworden und zählten aufeinander. West wusste allerdings, dass er seine Kameraden nicht zurückhalten konnten, sonst würden alle auffliegen. Er musste sie gehen lassen und zurückbleiben. Die Männer schafften es durch den Versorgungskorridor kletterten über die Rohre, in zehn Metern Höhe, zum Lüftungsschacht. Von dort aus krochen sie auf das Dach. Der erste, schwere Schritt war bereits geschafft.

Ohne Ausweg
Abstieg
Sie schafften es schneller zum Dach, als sie gedacht hatten. Sie krochen 30 Meter zur anderen Seite und kletterte von dort aus, 15 Meter hinab in die Tiefe. Sie kamen neben den Duschen an und schafften es leise, an den Wachen, vorbeizuschleichen. Die Männer rannten durch Gebüsche und über Felsen, um ihr Leben. Das eigentliche Abenteuer, sollte nun erst beginnen. Es war zwar Juni, doch das Meer war auch dann eisig kalt und sie wussten auch nicht, ob ihr selbstgemachtes Schlauchboot diese Fahrt überleben würde.

Abstieg
Morgen-Appell
Beim Morgenappell bemerkten die Wachen, dass drei Häftlinge fehlten. Die restlichen Insassen wurden durch die laute Not-Sirene geweckt. Das Gefängnis war in Aufruhe. War es den drei Männern tatsächlich gelungen, aus dem sichersten Gefängnis der Welt zu fliehen? Weder Wärter noch Häftlinge hätten das für möglich gehalten. Seit dieser Nacht fehlte von Clarence Anglin, John Anglin und Frank Lee Morris jegliche Spur. Keiner wusste, ob sie am Leben waren oder vielleicht sogar ertrunken.

Morgen-Appell
Nicht aufgeben
Allen West wollte nicht einfach so aufgeben. Als die anderen gingen, kratzte und grub er wie verrückt an seinem Tunnel und schaffte es tatsächlich durchzukommen. Er verfolgte den Plan, kletterte auf das Dach, doch es fehlte von den anderen jede Spur. Er hatte weder ein Boot noch eine Schwimmweste und war völlig auf sich alleine gestellt. West wollte aber nicht zurückbleiben und es blieb ihm nur die Wahl zurück in seine Zelle zu gehen oder versuchen zu schwimmen.

Nicht aufgeben
Keine Chance
Als West auf die See blickte war ihm klar, dass er es niemals lebend ans Ufer schaffen würde. Er hatte keine andere Wahl und ging zurück in seine Zelle. Ihm war klar, dass sobald der Ausbruch bemerkt werden würde, alle Zellen durchsucht werden würden. Sie würden die Fluchtwege finden und auch das Fluchtloch in Allen West´s Zelle. Er entschloss sich zu kooperieren, doch man weiß nicht ob er wirklich die Wahrheit sagte, oder seinen Kumpanen einfach Zeit schaffen wollte. Die Wahrheit bleibt wahrscheinlich für immer ein Geheimnis.

Keine Chance
Fassungslos
Nachdem die Häftlinge befrgat worrden waren, wurde wie erwartet, das Gefängnis und die ganze Insel umgekrempelt. Als erstes fanden die Beamten die natürlich die mühsam gegrabenen Fluchtlöcher in den Zellenwänden. Den weiteren Weg über den Versorgungskorridor, den Schacht und das Dach konnten sie daraufhin gut nachvollziehen. Trotzalledem waren sie fassungslos, dass diese Flucht gelang. Alle warteten darauf, bald die Leichen der Häftlinge aus dem Meer zu ziehen.

Fassungslos
Die Flüchtigen
John Anglin, Clarence Anglin und Frank Morris waren damals drei junge Männer und in recht gut physischer Verfassung. Die Brüder waren als sehr gute Schwimmer bekannt. Aber hatten sie sich tatsächlich über Nacht durch die kalten Wogen um Alactraz schlagen können?

Die Flüchtigen
Der Brief
Als die Polizei von San Francisci 2018 diesen Brief erhielt, hatten alle den Fall sofort vor Augen. Es war ein historischer Moment, den auch Generationen später noch jedes Schulkind kennt. Der Brief stammte angeblich von John Anglin, einem der geflüchteten Brüder. Er schrieb in 23 Zeilen: “Ich selbst bin in einem wirklich schlechten Zustand. Ich habe Krebs.“ Um das Rätsel des Ausbruchs aufzuklären, bietet Anglin dem FBI einen Deal an. „Wenn ihr mir in einer Fernsehansage versprecht, dass ich nicht mehr als ein Jahr ins Gefängnis muss und ich medizinisch versorgt werde, schreib ich euch, wo ich bin. Das ist kein Witz.“ Anglin behauptet, dass er lange in Seattle gewohnt hätte, danach für sechs Jahre in North Dakota, wegen des kalten Klimas heute aber in Südkalifornien lebe.

Der Brief
Das sicherste Gefängnis Amerikas
Weiter schrieb der vermeintliche John Anglin, dass auch sein Bruder und Frank Morris damals die Flucht überlebt hatten. Allerdings sehr knapp. Und dass sie alle drei ein langes Leben in Freiheit hatten, nachdem sie vor einem halben Jahrhundert aus dem vermeintlich sichersten Gefängnis Amerikas geflohen waren. Dieses Foto stammt übrigens aus den Dreißigern…

Das sicherste Gefängnis Amerikas
Die Polizei
Eine anonyme Quelle gab den Brief schließlich an den TV-Sender KPIX in San Francisco weiter. Und der US Marshals Service, der seit 1978 für die Aufklärung des Falls verantwortlich ist, schickte den Brief an ein Labor des FBI, um die Handschrift analysieren zu lassen. Die Experten sagten schließlich: “Wir verglichen Schriftproben von allen drei Häftlingen mit dem Brief, und konnten keine sichere Übereinstimmung finden.”

Die Polizei
Die Verwandten
Natürlich suchten die Reporter damals auch Kontakt zu den Familien der Geflüchteten. Der Neffe der Brüder Anglin erzählte der CBS dabei, dass seine Großmutter regelmäßig Blumen von den Brüdern gechickt bekommen hatte. Auf den beiliegenden Karten hätten die beiden unterschrieben. David Widner ist trotzdem nicht überzeugt, dass der Brief wirklich von John stammt, ärgerte sich aber, dass er der Familie von der Polizei vorenthalten wurde. “Immerhin schrieb er, dass er Krebs habe und im Sterben liege.”

Die Verwandten
Ihre Rettung
Fred Brizzi, der mit dem Brüderpaar aufwuchs, behauptete bis an sein Lebensende 1993, dass die beiden Männer ihre Flucht überlebten, und legte sogar ein Foto als Beweis vor. Der Neffe der Anglin-Brüder meinte: “Ich denke, Alcatraz war eine Lebensveränderung. Dieses Gefängnis war schließlich die letzte Station für alle Gefangenen. Nachdem sie es verlassen hatten, war es eine Reise ohne Wiederkehr.” Er vermutet, dass es keine Option für die Männer gewesen sei, erneut straffällig zu werden und hinter Gittern zu landen. “Auf eine gewisse Art und Weise hat Alcatraz sie gerettet und einen neuen Weg für sie geebnet”, mutmaßt Widner.

Ihre Rettung
Wanted!
John Anglin wäre heute 87 Jahre alt und laut dem Brief der letzte Überlebende des Ausbruchs. Der damalige Anführer, Frank Morris, sei bereits 2008 gestorben und unter einem falschen Namen beerdigt worden. Sein Bruder Clarence soll drei Jahre später gestorben sein.

Wanted!
Neue Methoden
Eine weitere Wende im Fall, kam von der Kreativ-Agentur Rothco, die anhand eines Beispiels zeigen wollte, wie Künstliche Intelligenz auch alte und ungeklärte Kriminalfälle lösen kann. Die berühmte Flucht von Alcatraz eignete sich natürlich hervorragend als Fallbeispiel. Schließlich wird sie seit 1962 immer noch lebhaft diskutiert. Sie nahmen sich also das Foto vor, das angeblich die Anglin-Brüder auf freiem Fuß zeigt.

Neue Methoden
Deep Face
Um die Echtheit der Fotografie zu untersuchen, hat sich Rothco mit dem Bildanalyse-Unternehmen Identv zusammengetan. Mittels Deep-Face-Erkennung wurden die Gesichter der beiden Männer auf dem Foto mit jenen aus der Datenbank verglichen. Die Anwendung ist speziell dafür ausgelegt, menschliche Gesichter in digitalisierten Bildern zu identifizieren. Und siehe da: Volltreffer! Die zwei Männer auf dem Bild sind tatsächlich die Gebrüder Anglin. Sie überlebten offensichtlich die gefährliche Flucht. Ob sie inzwischen eines natürliches Todes gestorben sind, ist jedoch nicht bekannt.

Deep Face
Der Letzte?
Der Brief lässt vermuten, dass John Anglin tatsächlich der letzte Überlebende ist, und immer noch auf freiem Fuß, wenn ihn der Krebs noch nicht dahingerafft hat. Er müsste heute 85 Jahra alt sein. Vielleicht wollte er nach all den Jahren, in denen er sich verstecken musste, doch noch in die Öffentlichkeit treten. Vielleicht brauchte er das, um selbst seinen Frieden mit allem zu schließen.

Der Letzte?
Computersimulation
Seit Jahrzehnten wird gerätselt, ob die Flucht der Männer wirklich geglückt sein könnte. Aufgrund der starken Strömung und der eiskalten Wassertemperaturen waren die meisten, die einen Fluchtversuch wagten, ertrunken. Tatsächlich wurden Teile des selbst gebastelten Schlauchbootes, das die drei Männer für die Flucht verwendeten, an Land gespült und geborgen. Computermodellen zufolge könnte es jedoch möglich gewesen sein, dass sie das närdliche Ufer der Golden Gate Bridge damals erreicht hatten – auch wenn die Chance sehr gering ist. Berechnungen anhand der Gezeitenströmung zeigen das, vorausgesetzt, sie sind zum richtigen Zeitpunkt losgepaddelt.

Computersimulation
Sichtung
Auf der anderen Seite: Etwa einen Monat nach der Flucht meldete ein norwegisches Frachtschiff die Sichtung einer Leiche etwa 17 Seemeilen von der Golden Gate Brücke entfernt. Dem Bericht zufolge trug sie Kleidung, die jener der Häftlinge von Alcatraz ähnelte. Aber die Meldung kam mit Verspätung bei den Behörden an, und die Leiche wurde nie geborgen.

Sichtung
Hinweise
Die Untersuchungen gingen noch jahrelang ohne Ergebnis weiter, und das FBI schloss die Akte schließlich mit Ende des Jahres 1979, 17 Jahre nach der Flucht. Das FBI kam zu dem Schluss, dass die Häftlinge höchstwahrscheinlich im Wasser der Bucht von San Francisco ertrunken waren. Über die Jahre tauchten jedoch immer wieder Hinweise auf, die dem widersprachen. Und schließlich wurde der Fall wieder aufgerollt. Faszinierend, oder?

Hinweise
Die Weihnachtskarte
Der History Channel veröffentlichte 2015 eine Dokumentation mit einigen der Hinweisen auf die erfolgreiche Flucht der Anglin-Brüder. So hatte ihre Familie Weihnachtskarten erhalten, und die Handschrift darauf wurde den Brüdern zugeschrieben. Doch das Datum der Zustellung konnte nicht festgestellt werden. Natürlich hätte auch ein seltsamer Fan der Geflüchteten diese Karten schreiben können. Kriminalfälle wie diese heizen die Fantasie vieler Menschen an.

Die Weihnachtskarte
Der Film
Die Flucht von Alcatraz inspirierte aucg J. Campbell Bruce einen Roman zu schreiben, der schließlich 1979 mit dem großartigen Clint Eastwood in der Hauptrolle verfilmt wurde. Es war auch die erste große Rolle für Fred Ward, der damals wegen seiner athletischen Fähigkeiten als Schauspieler gecastet wurde.

Der Film
Bis heute ungeklärt
Das Verrückte ist: Die Frage um das Überleben der Flüchtlinge ist immer noch nicht hundertprozentig geklärt. Und das trotz all der modernen Technologie. Es wird wohl auf immer einer dieser mythischen Kriminalfälle bleiben. vielleicht hätte die Polizei doch eingehen sollen, auf den Deal des vermeintlichen John Anglin…

Bis heute ungeklärt
Der Triathlon
Während die US Marshalls immer noch ihre Zweifel haben, sagte ein damaliger FBI-Ermittler zu Recht: „Wir haben in der Bay jedes Jahr einen Triathlon. Nicht einer der Teilnehmer ist dabei bisher ertrunken.“ Natürlich waren die Häftlinge jedoch keine trainierten Schwimmer. Die US Marshalls erklärten zudem: Selbst wenn es die drei verurteilten Verbrecher geschafft hätten, gibt es „keinen Grund zu der Annahme, dass sie ihr Leben nach ihrer Flucht geändert hätten und gesetzestreue Bürger geworden wären.“

Der Triathlon
Die Touristenattraktion
Die Insel Alacatraz hat übrigens auch noch aus anderen Gründen historische Bedeutung: Hier wurde 1854 der erste Leuchtturm an der US-amerikanischen Westküste in Betrieb genommen. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde sie als Standort für ein befestigtes Fort genutzt. Bereits ab 1861 war darin ein Gefängnis integriert. Anfang der 1930er Jahre wurde das Fort umgebaut und fungierte von 1934 bis 1963 als eines der zur damaligen Zeit bekanntesten und berüchtigtsten Hochsicherheitsgefängnisse der USA. Aufgrund zu hoher Betriebskosten wurde das Gefängnis 1963 aufgegeben. 1964 sowie von Ende 1969 bis Mitte 1971 gelangte die seit der Schließung der Haftanstalt für die Behörden als unbewohnt geltende Insel Alcatraz durch die Besetzung der Indianerbewegung erneut zu öffentlicher Aufmerksamkeit.

Die Touristenattraktion
Faszination
Inzwischen dient die Insel als museale Touristenattraktion. Alcatraz steht als Teil der Golden Gate National Recreation Area unter der Aufsicht des US National Park Service. Das ehemalige Gefängnis ist jetzt ein beliebter Ausflugsort für Touristen, mit mehr als einer Million Besucher im Jahr. Eine der Hauptattraktionen ist dabei natürlich die Zelle von John Anglin, durch deren Mauer er sich mit einem Löffel gegraben hat.

Faszination